55. World Press Photo Award – Samuel Aranda

von Heike Rost am 12. Februar 2012

in Bilder, Visuelle Kultur

World Press Photo of the Year - ©Samuel Aranda/New York Times/WorldPressPhoto.org

Ein bewegendes, stilles Bild ist das World Press Photo 2011: Aufgenommen im Oktober 2011 in einer Moschee in Sanaa, am Rande heftiger Zusammenstöße bei einer Demonstration gegen die jemenitische Regierung. Eine verschleierte Frau mit weißen Handschuhen hält einen verletzten Mann im Arm, scheint ihren Verwandten zu trösten und zu stützen. Sie bleibt unsichtbar wie das Gesicht des Mannes; keine Mimik, die uns erkennen ließe, was beide bewegt. Nur ihre Körpersprache: Mit einer Hand birgt die Verschleierte den Kopf des Verwundeten an ihrer Schulter. Die andere Hand hält den Unterarm des Mannes, zieht seinen Körper beschützend näher an sich heran.

Die Momentaufnahme des spanischen Bildjournalisten Samuel Aranda ist vielschichtig und fesselnd: Sie ist Abbild einer Gesellschaft, in der Frauen noch immer weitgehend verborgen bleiben, ist zugleich aber auch Symbol staatlicher Unterdrückung der Proteste in Arabien. Aber mehr als andere Bilder der Demonstrationen des “Arabischen Frühlings” es wohl könnten, berührt dieses eine Bild; vor allem durch die Geste der unter ihrem Schleier unsichtbaren Frau. Diese Geste ist vertraut, lässt den Schmerz ahnen – und die Stärke der Unbekannten zugleich. Die Bildsprache führt zum Namen, der das Déjà-vu erklärt: Unter dem Titel “Arabische Pietà” wurde das World Press Foto des Jahres 2011 in zahlreichen Tageszeitungen veröffentlicht.

(1997 wurde ein Foto aus Algerien mit dem World Press Award ausgezeichnet: Hocines Bild einer trauernden Frau entstand kurz nach dem Massaker von Bentalha – und trägt den Namen “Algerische Madonna”.)

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    1 _Der | Aschenbrenner_ Februar 12, 2012 um 20:03

    Danke.

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