Fundstück (50) – Regenbogen

von Heike Rost am 18. August 2010

in Geschichten, Inspiration, Momente

Momente gibt es, die sind so phantastisch, die kann man nicht erfinden: Unmöglich. Der Regenguß kündigte sich auf der Autobahn in der Pfalz an. Auf eine dunkle Wand zufahrend, das Lichtspiel in den Wolken bewundernd – tiefe Schwärze, die sich dunkelorange färbte im Abendlicht. Dicke Tropfen auf der Windschutzscheibe, ein Blick nach rechts, ein zarter Regenbogen. Nur noch Schritttempo fahren können, weil das Wasser zentimeterhoch auf der Autobahn steht. Ein Parkplatz, ein Gedanke, nichts wie weg erst einmal von der nassen Piste. Der Himmel beginnt zu glühen, auf dem Parkplatz trudeln immer mehr Autos ein.

Die unterschiedlichsten Menschen, aus den Autos ausgestiegen trotz des trommelnden Regens, stehen auf dem Grünstreifen. Sprachlos schweigend, schauend, staunend, wie sich der perfekte Schwung des Regenbogens leuchtend ausbreitet, ein zartes Spiegelbild seiner selbst in die Wolken wirft. Kleine Kameras, Fotohandys in den Händen, stehen sie da: Ein Rentnerpaar, das sich plötzlich anlächelt, er streichelt seiner Frau sanft über die runzelige Wange, sie lehnt sich an seine Schulter. Eng umschlungen stehen die beiden im strömenden Regen und staunen über die Farbenpracht und das Licht. Ein Punker mit Irokesenschnitt, pink und grün gestreift, stößt seinem Begleiter den Ellenbogen in die Rippen: “Boah ey – ick bin nich’ bekifft, wa, dat is’ echt, boah.” Das Rentnerpaar und die beiden Jungs lächeln sich an. “Toll….” seufzt der alte Mann. “Ja, wa …” kommt leise die Antwort.

In der knappen Viertelstunde zwischen Regenguss und Regenbogen, bis zu seinem Verschwinden, standen auf dem Parkplatz dicht an dicht staunende Menschen. Selten habe ich soviel Hingerissensein, soviel Verblüffung, Emotionen und solche Bandbreite des Mienenspiels um mich herum gesehen; fast schöner noch und beeindruckender als das lichte Wetter selbst. Ein eigenartiger Moment, voller Intensität und Zauber, ein Innehalten am Abend eines Arbeitstags. Über all das: Ein tiefes Glücksgefühl, für einen allein viel zu viel, man muss es mit vollen Händen weiter verschenken. Weil es Augenblicke gibt, so gewaltig und schön, dass sie kaum auszuhalten sind …

P.S. Ein Klick aufs Bild führt zum dazugehörigen iPhone-Video. Zu irgendwas muss Technikschnickschnack ja gut sein … ;-)

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    1 Andreas Pfeifer August 19, 2010 um 07:13

    Die richtige Fotografin zur richtigen Zeit am richtigen Ort … perfekt!

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