Bildergedanken – Gedankenbilder

von Heike Rost am 5. August 2010

in Inspiration, Momente, Visuelle Kultur

Bilder zu sehen, zu photographieren, ist akribische Spurensuche in den eigenen Erinnerungen, im visuellen Gedächtnis, ist ein Puzzle aus Geräuschen, Farben, Gerüchen und einer Flut von Assoziationen zu den Sinneseindrücken. Das Bild einer Brücke beispielsweise, die sich zwischen den herbstlich gefärbten Bäumen über das ruhige Wasser spannt: Gesehen in Norddeutschland, am See von Schloss Panker. Lange habe ich dort am Ufer gesessen, schweigend versunken in die Betrachtung, der Stille lauschend und nur dem Licht zusehend, wie es sich veränderte, durch das Laub mäanderte und Streiflichter in die Landschaft tupfte. Fröstelnd an einem Herbstnachmittag, der nach Stoppelfeuer und gerösteten Kartoffeln duftete, nach Kaminglut, Tee und Wollpullover, nach regenfeuchter Erde und erstem Raureif in der Luft. Die leisen Rufe der Zugvögel hoch oben am Himmel, endlose Ketten von Wildgänsen und Kranichen vor blauem Himmel mit zarten Wolkenstreifen. Das tropfende Geräusch fallender Eicheln und Kastanien im hohen Gras unter alten Bäumen. Dann und wann aufspritzendes Wasser, ein springender Fisch auf der Jagd nach den letzten Mücken des Herbstes. Nach einer ganzen Weile des Beobachtens war das eigentlich Gesehene, Wahrgenommene den Erinnerungen nah genug; fast deckungsgleich, doch ohne präzise zuordnen zu können, was genau  ”den entscheidenden Moment” ausmachte, wie Henri Cartier-Bresson diesen Bruchteil einer Sekunde bezeichnet hat.

Das Gedächtnis gab das Gemälde zur Landschaft erst wesentlich später der bewussten Erinnerung preis; nicht etwa wegen des Motivs, sondern der Farbigkeit geschuldet: Es war ein Bild aus der Serie der Seerosenteiche von Claude Monet, entstanden 1900, auch immer wieder in der Reihe der Lieblingsbilder zu finden.

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    1 Armin August 6, 2010 um 22:51

    Ist das nicht verrückt. An Monets Bild musste ich sofort denken, als ich das Foto sah (Meines Wissens hat er die Brücke mehr als einmal gemalt).

    Ist aber auch egal.

    Dank für das herrliche Foto.

    2 Heike Rost August 7, 2010 um 12:22

    Hat er. Und ich hatte an dem Tag in der Tat ein Brett vorm Kopp ;-)

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