“Verantwortung gestalten” – Stefan Sagmeister (09)

von Heike Rost am 9. Februar 2012

in Inspiration, Texte

Stefan Sagmeister - ©Michael Bundscherer/tgm

“Wenn ich mutig bin, funktioniert es immer.” sagt Stefan Sagmeister über seine Arbeit. Und erzählt: Von selbstbestimmter Aktivität, konsequenter Reduzierung auf Wesentliches, von Eigensinnigkeit als Faktoren für erfolgreiches, überzeugendes Design. Die Grundlagen, die andere mit “Glück” umschreiben würden, sind für ihn Grundlage seines Berufs: Ohne eine klare Linie des Handelns, den “eigenen Sinn” innerhalb und außerhalb der individuellen Tätigkeit bleibt Gestaltung eine leere, kraftlose Hülse. Dazu gehört für Sagmeister auch die Achtsamkeit im Umgang mit oft unterschätzten Faktoren: Die Vorteile eines größeren Designbüros sind für den Kunden eher klein – die Nachteile umso größer.

Was zunächst als Widerspruch in sich klingt, ist bei näherer Betrachtung ein ähnlich wertiges Konzept wie das schlichte Design von Mark Adams: Weniger ist mehr – in allen Bereichen. Ein schlechtes Produkt? Fehlende gleiche Wellenlänge? Schlecht terminierte Aufträge? Gründe für Sagmeister, konsequent eigensinnig zu sein – und Nein zu sagen. In der Erkenntnis, dass solche Zusammenarbeiten mit Schwierigkeiten behaftet sind, die das komplette Projekt zum Scheitern bringen können. Ohne Eigensinnigkeit, ohne gelegentlich Regeln zu brechen, geht (fast) nichts. Ebenso wenig wie ohne kreative Pausen zur Neubewertung und -erfindung der eigenen Arbeit.

“Wir sind für alles selbst verantwortlich – egal ob wir eine Straße hinunter gehen, auf einen Berg steigen oder ein Produkt verkaufen. Wir können all das auf elegante, überzeugende Art tun – oder es komplett vergeigen. Es liegt an uns, an niemand sonst.” Sagmeisters Inspiration dafür sind Kleinigkeiten, die kurzen Momente des Innehaltens: Ein Spaziergang, ein Ausflug, hinaus aus der Stadt. Oder im Café sitzen, am Straßenrand; Menschen beobachten. Schreiben, sich Notizen machen, auf Zetteln und Karteikarten. Das Ganze sortieren. Nachdenken, Musik hören, durch alte Notizbücher blättern, auf der Suche – und eventuell den ganzen Kram einfach wegwerfen, denn: “Die Idee erwischt einen sowieso dann, wenn man es nicht erwartet”.

Stefan Sagmeister - ©Michael Bundscherer/tgm

Stefan Sagmeister in drei eigensinnigen Stichworten, passend zum Foto:
Dankbarkeit: “Ich sage selten danke. Aber: Danke, Boris – für die Organisation dieser Veranstaltung. Eine Hacklerei ist so etwas.”
Empathie: “…das würde mich jetzt an die Grenzen meiner Redezeit bringen…”
Bescheidenheit: “Ich bin ganz und gar nicht bescheiden. Und viele meiner Freunde sind ziemlich großkotzig. Ich mag sie trotzdem.”

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