Zeit für eine neue Folge der Serie “Heiterer Alltag”: Frei nach Morgenstern beschloss mein geschätzter Kollege kurzfristig, samt Familie in die Hängematte zu entfleuchen, “um an entspannenden Gedanken moralisch sich emporzuranken.”. Gesagt, getan, zackig einen hübschen Urlaub gebucht, die Familie ins Auto gepackt – und das Zeitungsabo für die zwei Wochen Abwesenheit an mich weitergereicht. Geht alles, machen Sie einem netten Menschen eine Freude und verschenken Sie Ihr Abo als “Feriengruß”, versprach die Service-Abteilung einer großen Mainzer Tageszeitung.
An deren Schreibtischen herrschte wohl eher Sommerlähme denn südländisch freundliche Beschwingtheit: Drei Tagen blieb der Briefkasten verwaist, keine Zeitung, der Abonnent beschwerte sich prompt beim Service. Die Dame sagte per Mail umgehende Klärung zu, sofortige Lieferung und selbstverständlich Gutschrift der fehlenden Tage auf dem Kundenkonto. Mehrere Tage später vermisste ich immer noch die Zeitung; eigentlich eher wegen der ungewohnten Leere im Briefkasten. In seinem verdienten Urlaub funkte ich den Kollegen kurz an – Smartphone sei dank lässt sich solch Ungemach ja auch in fernen Gefilden regeln. Dachte ich, dachte mein Kollege, dachten wir beide. Den Rest seines Urlaubs über blieben dann unsere beiden Briefkästen leer. Von der Mainzer Platzhirschzeitung nicht die leiseste Spur.
Zurückgekehrt aus der Hängematte, machte der Herr Kollege dann seinem Ärger in der Serviceabteilung Luft, höflich, aber bestimmt. Die Sachbearbeiterin war betreten, wusste auf Anhieb auch keine Erklärung – und mein Kollege erhielt neben einer lauen Entschuldigung eine Gutschrift auf seinem Abo-Konto: Satte vier Euro und ein paar Zerdrückte ist dem Verlagshaus die Servicepanne des Holzmediums wert. Das entspricht noch nicht einmal einem Drittel der Kosten für die Printausgabe im Ausfallzeitraum. Bei soviel Kundenorientierung wundern mich die Schwierigkeiten der Zeitungsbranche wirklich nicht mehr …







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Heißt das, dass der Verlag weniger zurückerstattet hat, als der Abonnent zahlen musste? Oder waren die 4 Euro eine Art Wiedergutmachung?
Also am Kiosk besorgt hätten die zwei Wochen Zeitung das Dreifache der möglichen “Wiedergutmachung” betragen … ;-)