Rosenliebe


In den Garten gehen, früh am Morgen, barfuß im taufeuchten Gras. Das Rosenbeet, das ich in den letzten Jahren mit Lavendel, Storchschnabel, Clematis und Goldnessel ergänzt habe, wiegt sich leise in der frischen Brise. Ein Potpourri aus Blütenzauber liegt in der Luft und weckt meine Kindererinnerungen. Zu ihnen gehören die Bücher mit Pierre-Joseph Redoutés wunderbaren Rosenbildern, in denen ich so gerne blätterte. Ebenso wie das Rosengelee, das die Großmutter einkochte, wenn die Rosen üppig blühten. Mit dem Finger pulte das Kind ein Loch ins Einmachzellophan der Gläser und stibitzte von der Köstlichkeit.

Die Liebe zu den Rosen ist ein Geschenk meiner preußische Großmutter: Einige der Rosenstöcke in meinem Garten, die beileibe nicht jedes Jahr prächtig zu blühen geruhen, hat sie vor vielen Jahren gepflanzt; in traurigen oder schwierigen Momenten fand sie Trost in ihrer Schönheit. Und der Duft ist so berückend, verschwenderisch und bezaubernd wie zu meinen Kindertagen.

2 Comments

  1. Anke Modrow 30. Mai 2020 at 22:42 #

    Deine preußische Großmutter ist ein großes Geschenk – und vermutlich noch viel mehr als das. Ein Kraftwerk. Ein Leuchtturm. Was noch? Wir alle brauchen derzeit innere Kraftwerke. Das bedeutsame Detail, Löcher ins Einmachzellophan pulen zu dürfen und dafür nicht bestraft zu werden (was bei mir, im Fall meiner Mutter jedenfalls, auch so gewesen wäre), löst in mir das Bedürfnis aus, mich mit den Kräften wohlwollender Ahnen wieder zu verbinden. Danke dafür 🙂 Bei mir waren es nicht so sehr die Rosen, sondern ein Vanillepudding, den meine Mutter (in Abwesenheit meines gestrengen Vaters) mal direkt auf den Tisch stürzte. Wir haben ihn zuerst mit Löffeln direkt vom Tisch gegessen und dann spielten wir Katze. Das Lachen (und die heimliche Komplizenschaft) vergesse ich nie. Dinge, die „man nicht tut“ (zum Beispiel barfuß durch den Garten laufen), sind am schönsten, wenn man sie gemeinsam tut. Die hatten seither immer einen besonderen Zauber für mich.

    • Heike_Rost 26. Juni 2020 at 09:22 #

      Ja, so ist das, liebe Anke – die kleinen Dinge, die Erinnerungen an sie und ihre Lebensklugheit: Das trägt in schwierigen Momenten, mehr als alle materiellen Dinge es könnten. Was nicht heißt, dass ich nicht an einigen Sachen aus ihrem Nachlass hängen würde. Bücher, Noten, Schallplatten mit klassischer Musik (Martha Argerich! Alfred Brendel!), ein paar schöne alte Gläser und andere Haushaltsgeräte … und die gusseisernen Bräter taugen prima zum Brotbacken. 😉

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