Waldmorgenwelt, Frühling

Ganz früh unterwegs: Das Licht wechselt von grau zu sanfter Farbigkeit. Die Waldmorgenwelt ist ein großer Gesang aus Vogelstimmen, Blattwispern und Regen, der von den Blättern tropft. Niemand außer mir ist unterwegs, kein Schritt stört die Sanftheit dieses beginnenden Tages.…

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Notizen von unterwegs: Pastis Breton

Ein hinreißender Ort wäre das alte Generalshaus in der Bretagne gewesen; für einen Krimi, ein Psychodrama oder einen Film mit rabenschwarzem Humor. Damals, als ich dort einen Freund besuchte, verwitterte das Gemäuer hinter hohen alten Hecken still vor sich hin. Die Mauern umwuchert von fast mannshohen Hortensienbüschen aller Farben, deren üppige Blütendolden in der Sonne leuchteten. In einem winzigen Ort im Finisterre gelegen, jenem windumwehten, äußersten Westzipfel der Grande Nation, wo sich nicht einmal mehr Hase und Fuchs Gute Nacht sagen und gelegentlich ein U-Boot im Meer vorbeidümpelt.

Vor allem die Küche der Villa war beeindruckend; ihre Ausstattung mit gusseisernen, von jahrzehntelangem Gebrauch ausgeglühten Brätern und Pfannen verriet die Vorliebe der ehemaligen Bewohner für genussvolle Kochexperimente. Einer Vielzahl exzellenter Geräte und Messer fanden wir dort in Schubladen und Kästen vor und setzten die Tradition des Hauses gemeinsam fort: Mit Henris wunderbarem Muschelrisotto, phantasievollen Kreationen aus frisch gefangenem Fisch, knusprigem Baguette und starkem, schwarzen Kaffee zum späten Frühstück. Henri hatte dort einige merkwürdige Besucher um sich geschart, deren Geschichten ein aberwitziges Kaleidoskop voller Wirrwarr und Verwicklungen zwischen unglücklicher Liebe, Eifersüchteleien und zerplatzten Träumen boten. (mehr …)

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Notizen von unterwegs: Kaffeehausträume

Unterwegs entdecke ich gerne Cafés; am liebsten diejenigen, die ein wenig aus der Zeit gefallen wirken: Charmante Orte, die ebenso zum Innehalten und Verweilen einladen wie zum Plaudern mit Menschen am Nachbartisch. Plätze, die zu Beobachtung, zum Lesen oder Schreiben inspirieren. Und immer wieder erinnern mich solche Cafés an ein wunderbares kleines Geschäft in Mainz, das es schon seit Jahren nicht mehr gibt. An seine hölzerne Eingangstür mit Glasscheiben und blank gegriffenen Messingbeschlägen, die sich knarrend in die duftende Dämmerung öffnete. An die altmodische Türglocke, den Geruch nach Schokolade, ein wenig Karamel und Kaffee. An dunkles Holz an den Wänden und auf dem Boden, einen Tresen mit Glasplatte, darunter kleine Schirmchen aus Schokolade, Pralinen, handgemachte Bonbons in buntem Papier und Stanniol. Große Glaszylinder mit auf Hochglanz polierten Messingdeckeln, gefüllt mit dunklen, samtig schimmernden Kaffeebohnen, mit Schildern daran: Kenia-Perle, Afrika-Mischung, noch einige Namen, an die ich mich schon nicht mehr erinnere. Sorgfältig von Hand geschrieben auf kleine, zurechtgeschnittene Pappstücke, die an Bändern aus feiner, blauweißer Schnur um den Griff der Glasbehälter befestigt waren.

Schlurfenden Schritts kam der Inhaber, ein zierlicher älterer Herr, aus dem hinteren Teil des Ladens in den dämmerigen Raum, fragte die Kunden nach ihren Wünschen. Manche Besucher bat er mit sich in die hinteren Räume, setzte sich dort wieder ans Sortieren der Kaffeebohnen. Ein vergilbtes Leinentuch, über zwei Walzen mit einer gußeisernen Kurbel gespannt, huschende, knotige Altherrenhände, die emsig die noch ungerösteten, hellen Bohnen sortierten. Nebenbei erzählte der kleine Herr mit leiser Stimme Geschichten über die Geheimnisse des Kaffees. Anekdoten amouröser Verflechtungen der Historie, Abenteuer des Kaffeeanbaus in fernen Ländern, über die Feinheiten der Kaffeezubereitung. Dass in Frankreich anders, länger geröstet werde als hierzulande. Eine Handvoll Zucker, (mehr …)

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